Russland überlegt, konventionelle Ballistische Raketen auf das Stadtzentrum Kiews und andere urbane Gebiete der Ukraine abzufeuern, nachdem die Friedensverhandlungen zusammengebrochen sind und eine Serie von Eskalationen im Konflikt stattgefunden hat. Bloomberg berichtete am Mittwoch, dass Kreml-Beamte aktiv solche Angriffe planen, und diese Angabe stützen sich auf drei Quellen, die dem russischen Regime nahe stehen.
Die möglichen Angriffe würden eine beträchtliche Eskalation darstellen, nachdem die Ukraine Drohnenangriffe auf russische wirtschaftliche Ziele verstärkt hat, darunter die Raffinerie Perm, Russlands siebtgrösste nach Volumen. Die Raffinerie stellte die Produktion nach einem Drohneneinsatz am 21. August ein, wie Reuters berichtet. Ukrainische Drohnenangriffe haben auch Öl-Infrastruktur und Logistiknetze in ganz Russland im gesamten Sommer angegriffen, was zu öffentlichen Warnungen aus Moskau geführt hat.
Präsident Wladimir Putin kündigte am 22. August in einem Interview im Staatsfernsehen eine härtere Haltung an und erklärte, dass die Angriffe der Ukraine auf die russischen Wirtschaftssektoren eine Antwort auslösen würden. „Das Kiewer Regime hat vorgenommen, unsere Wirtschaft zu schaden. Was hat es getan? Es hat diese Pandora-Schüre selbst geöffnet. Also könnt ihr eine Antwort erwarten, die Ihre besonders empfindlichen Wirtschaftsbereiche ins Visier nimmt“, sagte Putin.
Die diplomatischen Bemühungen waren wiederholt gescheitert. Die von den USA vermittelten Friedensgespräche in Genf im Februar führten zu keinem Durchbruch, und ein Gipfeltreffen zwischen Putin und dem ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump auf Alaska im letzten August brachte keine Fortschritte. Auch die Treffen zwischen dem russischen Aussenminister Sergej Lawrow und dem US-Senator Marco Rubio auf den Philippinen im Juli brachten laut Kreml keine unmittelbaren Aussichten für die Wiederaufnahme formaler Verhandlungen.
Die Eskalation geschieht in einer Zeit, in der die geopolitischen Spannungen zunehmen. CIA-Chef John Ratcliffe traf am Dienstag überraschend in Moskau ein und sprach mit russischen Geheimdienstkollegen, aber nicht mit Präsidenten Wladimir Putin, bestätigte Kremlsprecher Dmitri Peskow. Peskow erklärte, es seien Kontakte über Sicherheitskanäle erfolgt, betonte aber, dass es keinerlei Treffen mit Putin gegeben habe.
Trump beschrieb in einem Radiogespräch, das von Reuters zitiert wurde, Rackfalis Besuch als „halb routinemässig“, äusserte jedoch die Hoffnung auf mögliche Fortschritte und sagte: „Nun kann möglicherweise etwas daraus resultieren. Wir arbeiten sehr hart daran, den Krieg zu beenden.“
Die Märkte reflektierten die Anspannungen. Brent-Rohöl schloss am Dienstag bei ungefähr 88,58 US-Dollar, ein Rückgang von über 3 % für die Sitzung, während Aktien von Verteidigungskonzernen wie Lockheed Martin leicht anstiegen. Die Aktien der Kyivstar Group, des grössten Telekommunikationsanbieters der Ukraine, sanken aufgrund des sich verschärfenden Konflikts.
Ein aktueller US-Geheimdienst-Bericht, den der Atlantic Council zitiert, warnte, dass der Kreml innerhalb von wenigen Monaten wahrscheinlich einen begrenzten Angriff auf ein Mitglied der NATO planen könnte, wobei jedoch keine konkreten Ziele identifiziert wurden. Der Angreif auf die Raffinerie in Perm und das darauf folgende Werkstillstand unterstreichen die wirtschaftlichen Konsequenzen für Russland, das in der Vergangenheit wiederholt mit Unterbrechungen seiner Öl-und Gasinfrastruktur zu kämpfen hatte.
Das Potenzial für eine weitere Eskalation bleibt hoch, und einige russische Beamte berichteten, dass Putin eventuell als letztes Mittel taktische Atomwaffen einsetzen könnte, falls konventionelle Angriffe nicht dazu führen, dass die ukrainischen Aktionen abgewehrt werden.












