Russland bewertet Pläne, konventionelle ballistische Raketenangriffe auf das Stadtzentrum von Kiew und die kritische Infrastruktur in anderen ukrainischen Städten zu verstärken, so zufolge vier Quellen mit Verbindungen zum Kreml. Diese Bewertung folgt auf den Kollaps der Friedensverhandlungen und signalisiert, dass Moskau zu dem Schluss gekommen ist, dass eine weitere Eskalation erforderlich ist. Einige Beamte äusserten sich jedoch privat, dass taktische nukleare Optionen immer noch als letzte Option in Betracht gezogen werden.
Die Veränderung der militärischen Strategie steht in Kontrast zu einer allgemeinen Verschlechterung der diplomatischen Kanäle. CIA-Chef John Ratcliffe unternahm am Dienstag einen unangemeldeten Besuch in Moskau, wo er mit russischen Nachrichtendienstenkollegen zusammenkam, nicht jedoch mit Präsident Vladimir Putin, wie Kremlsprecher Dmitri Peskow sagte. Rats' Reise folgt einer Reihe misslungener diplomatischer Bemühungen, darunter die im Februar gestoppten Verhandlungen in Genf, der Gipfel zwischen Putin und dem früheren US-Präsidenten Donald Trump im August letzten Jahres und Treffen zwischen dem russischen Aussenminister Sergej Lawrow und dem US-Aussenminister Marco Rubio auf den Philippinen im Juli.
Die Raffinerie Perm in Russland, die siebentgrösste des Landes nach Verarbeitungsvolumen, stellte am 22. August die Produktion ein, nachdem ein ukrainisches Drohnenangriff am 21. August stattfand. Dieser Vorfall ist Teil eines sommerlichen Anstiegs der ukrainischen Angriffe auf russische Ölanlagen und Logistikkonzepte, was den wirtschaftlichen Druck auf Moskau verstärkt. Putin warnte öffentlich am 22. August, dass die Angriffe der Ukraine auf die russische Wirtschaftsinfrastruktur eine Reaktion auslösen würden, die die ukrainischen Sektoren mit den grössten Schwachstellen ins Visier nehmen würde.
Die Rhetorik des Kreml ist in den letzten Wochen aggressiver geworden. Peskow erklärte, dass alle Kontakte zwischen den russischen und amerikanischen Sicherheitsdiensten über Geheimdiensträume geführt worden seien und dementierte direkte Treffen mit Putin. Trump bezeichnete im Radiointerview Ratcliffes Besuch als "halb routinemässig", verdeutlichte aber, dass aus den laufenden Bemühungen um ein Ende des Krieges Fortschritte hervorgehen könnten.
Analysten des Atlantic Council verweisen auf eine US-Geheimdienstbewertung, die darauf schliessen lässt, dass Russland innerhalb von Monaten einen begrenzten Angriff auf ein NATO-Mitgliedsland vorbereiten könnte, ohne jedoch konkrete Ziele oder Zeitrahmen vorzuschlagen. Der Moscow Times berichtete am 20. August, dass es keine unmittelbare Aussicht auf eine Wiederaufnahme der formalen Friedensverhandlungen gebe.
Die globalen Märkte reagierten vorsichtig auf die Risiken einer Eskalation. Brent-Rohöl, ein wichtiger Bezugswert für russische Ölexporte, fiel am Dienstag mehr als 3 % auf rund 88,58 US-Dollar pro Fass und setzte damit den Rückgang der Sitzungsbeendung fort.













