Der ehemalige Vorstandsvorsitzende der UBS und der Credit Suisse, Oswald Grübel, hat den Schweizer Finanzministerin Karin Keller-Sutter öffentlich bei ihrem Zwist mit der UBS über vorgeschlagene Kapitalvorgaben unterstützt. In einem Interview mit der SonntagsZeitung betonte Grübel, dass große Banken keine reinen Privatanstalten seien, sondern dem breiten Public dienen und dass der Staat bei Krisenszenarien am Ende der Hauptinteressent sei.
Grübel lehnte UBS' Argumentation ab, dass die zusätzlichen 20 Milliarden Franken an erforderlichem Eigenkapital die Wettbewerbsfähigkeit des Instituts schwächen oder den Schweizer Finanzsektor schwächen würde. Obwohl er einen Rückgang der Kapitalrentabilität febrillierte, erklärte er, dass strengere Vorschriften die Stabilität des Finanzzentrums nicht untergraben würden. «Man kann den Staat einerseits für eine schlechte Aufsicht kritisieren und andererseits strengere Regeln ablehnen», sagte er.
Der ehemalige Bankenexekutive wies auch die Durchführbarkeit einer Abschottung einer in Schwierigkeiten geratenen internationalen Bankeneinheit in einer Krise zurück und warnte, dass ein solcher Ansatz zu einem weltweiten Wirtschaftsabschwung führen könnte. Grübel wertete die Konsolidierung des Schweizer Bankensektors – der nun von einer einzigen globalen Institution dominiert ist – als eine technische Reduzierung des Risikos gegenüber dem Zustandsvorherzustand, als die UBS und die Credit Suisse gemeinsam eine weit größere Bilanz hatten.
Die Kritik richtet sich vor allem gegen die ehemalige Geschäftsleitung der Credit Suisse, die Grübel als "die sich zu blühenden Zeiten liquidierte" bezeichnete und dabei ein wiederholtes Muster aufwies: Risk Management wird nach langen Stabilitätsphasen schwieriger. Darüber hinaus kritisierte Grübel den allgemeinen Rückgang des Schweizer Finanzsektors in den letzten Jahrzehnten und führte dies zum Teil auf die Zurückverlagerung der Schweizer Banken von der Kundenakquise im eigenen Land hin zu internationalen Expansionszielen zurück.












