Die Finanzierungsquoten der Schweizer Pensionskassen haben sich in den vergangenen Jahren verbessert, unterstützt durch eine robuste Aktienmarktentwicklung und ein günstiges Investitionsumfeld. Laut Schätzungen des Sektors liegt der durchschnittliche Deckungsgrad derzeit bei 112%, während er vor zwei Jahren noch bei 105% lag. Dank dieser Verbesserung verfügen die Pensionskassen über mehr Flexibilität, um die Marktvolatilität zu steuern und langfristige Verpflichtungen zu erfüllen.
Geopolitische Risiken – darunter Konflikte, Handelsbeschränkungen und die Fragmentierung der globalen Lieferketten – stellen jedoch zunehmend Herausforderungen für die Finanzstabilität dar. Experten betonen, dass solche Entwicklungen die Aktien-, Anleihen- und Währungsmärkte destabilisieren können und damit die Investitionsrenditen unterminieren. „Kriege, Handelsbeschränkungen oder eine zunehmende wirtschaftliche Fragmentierung können schnell Auswirkungen auf die Performance von Aktien, Anleihen und Währungen haben“, erklärte Kerstin Windhövel, Inhaberin des Zentrums für Pensionskompetenz an der Kalaidos Berufshochschule Schweiz.
Die Risiken werden durch Unsicherheiten in den Zinssystemen und der Inflationsentwicklung verstärkt, was die Entscheidungen zur Anlageallokierung zusätzlich erschwert. Zwar haben die Pensionsfonds ihre Risikomanagementstrukturen gestärkt, doch bestehen weiterhin Fragen hinsichtlich ihres Zugangs für plötzliche Marktveränderungen. Stefan Beiner, Pensionsexperte bei C-Alm, feststellte, dass viele Fonds robuste Governance-Tools implementiert haben, einschliesslich Anlagevorschriften, Stresstest, Liquiditätsanalysen und regelmässigen Asset-Liability-Management (ALM)-Studien. Diese Massnahmen helfen, die Auswirkungen negativer Jahresspreads zu dämpfen, jedoch beseitigen sie nicht die Möglichkeit von kurzfristigen Verlusten.
Die drei wesentlichen Risiken, die in der aktuellen Pensionsrisikostudie von Aon identifiziert wurden, sind das Langlebigkeitsrisiko, das Risiko der Kapital-Ertragsrate sowie das Risiko von Zinssenkungen und Inflation. Als das aufregendste Problem wurde das Risiko der Kapitalerträge identifiziert, da nahezu alle Schweizer Pensionskassen Investitionsstrategien wählen, die bedeutsamen Marktrisiken unterliegen. Nur eine Minderheit der Kassen verfolgt einen strikten Cash-Flow-Matching-Ansatz, bei dem die zukünftigen Auszahlungen genau auf die Erträge aus festverzinslichen Wertpapieren abgestimmt sind.
Um die geopolitischen und marktriskanten Auswirkungen zu mindern, betonen Experten die Wichtigkeit einer langfristigen Investitionsstrategie, sogar in Zeiten von Volatilität. Bálint Keserü, Pensionsspezialist bei Aon, betonte die Notwendigkeit ausreichender Wertschwankungsreserven, um schwere Marktschocks abzufangen und gleichzeitig zu gewährleisten, dass die versprochenen Leistungen weiterhin gezahlt werden. "Die Antwort auf die geopolitische Unsicherheit ist eine ständige Einhaltung der langfristigen Strategie – vorausgesetzt, es gibt keine grundlegenden strukturellen Veränderungen innerhalb des Pensionsfonds," sagte er.
Die Governance-Strukturen innerhalb der Schweizer Pensionskassen haben sich ebenfalls entwickelt, um diese Risiken zu bewältigen. Die meisten Fonds integrieren Risikomanagement und –berichterstattung in ihre strategischen Entscheidungsprozesse, wobei die Aufsicht durch Stiftungsräte, Managementteams, Vermögensausschüsse, Vermögensmanager und externe Berater erfolgt. Während der Branche die zunehmende Bedeutung geopolitischer Risiken erkennnt, herrscht breiter Konsens darüber, dass derartige Ereignisse nicht zuverlässig vorhergesagt oder kontrolliert werden können.
Die Rolle der Verwaltung von Pensionsfonds besteht daher nicht darin, Krisen vorherzusagen, sondern dafür zu sorgen, dass unter ungünstigen Bedingungen operative und finanzielle Widerstandskraft sichergestellt ist. Treuhänder müssen Investitionsstrategien wählen, die mit der finanziellen Lage des Fonds, der Gliederung der Mitglieder und der Wiederherstellungsfähigkeit im Einklang stehen. Experten warnen, dass zwar Risiken nicht vollständig vermieden werden können, aber die Fonds ihre Risikobereitschaft, ihre Disziplin und ihre Transparenz vorrangig in den Blick nehmen müssen, um die langfristige Stabilität zu sichern.












