Das Nancy Grace Roman Space Telescope der NASA ist am Sonntag an Bord einer SpaceX Falcon Heavy-Rakete vom Kennedy Space Center in Florida gestartet – neun Monate vor dem geplanten Zeitplan. Die 4 Milliarden Dollar teure Mission soll vom Lagrange-Punkt 2, etwa 1,5 Millionen Kilometer von der Erde entfernt, in einer ersten fünfjährigen Erhebungsphase operieren. Bei ausreichenden Treibstoffreserven könnte die Mission um weitere fünf Jahre verlängert werden.
Das Observatorium ist darauf ausgelegt, über zwei Milliarden Galaxien zu erfassen und damit Daten zur Ausdehnung des Universums sowie zur Rolle von Dunkler Energie und Dunkler Materie zu liefern. Gemäss aktuellen kosmologischen Modellen macht Dunkle Energie rund 68 Prozent des Universums aus, Dunkle Materie etwa 27 Prozent und gewöhnliche Materie – einschliesslich Sterne, Planeten und Gas – lediglich 5 Prozent.
Die Fähigkeiten von Roman umfassen ein Weitwinkelobjektiv, das schnelle Himmelsdurchmusterungen ermöglicht. Nicola Fox, Leiterin der Wissenschaftsmission bei der NASA, bezeichnete das Teleskop als Ergänzung zu bestehenden Observatorien: Es biete eine breitere Perspektive als das James Webb Space Telescope, das sich auf tiefe, eng begrenzte Beobachtungen konzentriert, während es gleichzeitig die Empfindlichkeit und Auflösung von Hubble erreiche, jedoch über deutlich grössere Flächen. Julie McEnery, leitende Projektwissenschaftlerin von Roman am Goddard Space Flight Center der NASA, wies darauf hin, dass Roman die gesamte Milchstrasse innerhalb eines Monats erfassen könnte – eine Aufgabe, für die Hubble etwa ein Jahrhundert benötigen würde.
Die Hauptziele der Mission umfassen die Kartierung der Verteilung Dunkler Materie, die Erforschung der grossräumigen Struktur des Universums sowie die Untersuchung der 1998 entdeckten beschleunigten kosmischen Expansion. Mustapha Ishak, Kosmologe an der University of Texas in Dallas und Mitglied der wissenschaftlichen Kollaboration von Roman, betonte das Potenzial des Teleskops für unerwartete Entdeckungen und verwies auf historische Beispiele, in denen grosse Observatorien bahnbrechende Erkenntnisse jenseits der ursprünglichen Erwartungen lieferten.













