Rettungsteams in Nepal und China suchen nach fast 1.000 Menschen, die noch vermisst werden, nachdem ein Gletscherschiebern am Mittwoch zu einer verheerenden Flutwelle geführt hatte. Die Zahl der bislang bestätigten Todesfälle liegt bei mindestens 362. In Nepal wurden 359 Todesfälle registriert, China meldete drei Tote. Die Katastrophe hat Hunderte ausländischer Staatsbürger vermatet, wobei Indien das höchste Zahl an vermissten Bürgern mit 288 meldete.
Der Flutschlag begann im gyirong-Kreis in Tibet, in dem 558 Menschen vermisst werden, darunter 260 Ausländer. In Nepal sind die hart betroffenen Gebiete Trishuli, Devighat, der Chitwan-Bezirk und Nuwakot, wobei auch Kathmandu betroffen ist. Der durch die Flut stark überlaufende Bhotekoshi-Fluss hat Siedlungen und Infrastruktur hinweggespült und lässt von einigen Gemeinden kaum etwas zurück.
Die Behörden warnen, dass das Risiko weiterhin hoch ist. Es wird erwartet, dass in den nächsten drei Tagen etwa 3 Millionen Kubikmeter Wasser – entspricht 1.200 olympischen Schwimmbecken – in den bereits eingedämmtem See gelangen. Der Felsstern bewegte sich mit einer Geschwindigkeit von rund 50 Metern pro Sekunde und erstreckte sich über mehr als 20 Kilometer, sagte der chinesische Regierungsgeologe Guo Zhaocheng. Das US-Geologische Dienst registrierte zunächst ein Erdschüttelspiegel von 4,4, doch schrieb er dieses Ereignis dem Gletscheraufbruch zu und nicht einem Erdbeben zu.
Überlebende beschrieben die Flut als plötzlich und katastrophal. Janak Bahadur, ein Einwohner von Devighat, erinnerte sich daran, dass der Fluss von weitem klein erschien, bevor er plötzlich überflutete und durch das Gebiet riss. Sagar Pandey, Geschäftsführer eines Himalaya-Tourismusunternehmens, erklärte, dass ganze Siedlungen, einschliesslich Hotels und Restaurants, zerstört wurden, und keine Spuren der menschlichen Besiedlung mehr zu sehen waren.
Offizielle Stellen haben Bedenken über die Rolle des Klimawandels bei der destabilisierung bergnaher Felsen und Gletscher geäussert. Simon Cox, Chefwissenschaftler bei der Earth Sciences New Zealand, betonte, dass wärmere Bedingungen die Wahrscheinlichkeit solcher Ereignisse erhöhen. Der nepalische Ministerpräsident Balendra Shah, dessen Regierung fünf Monate in die Amtszeit gekommen ist, hat die volle Unterstützung für die Wiederaufbaubestrebungen zugesichert.
Die Katastrophe hat die internationale Aufmerksamkeit geweckt, und Rettungsteams aus mehreren Ländern unterstützen die Suche. Das Rote Kreuz und andere Organisationen koordinieren die Hilfsmassnahmen, während die Regierungen zur Vorsicht rufen, da das Risiko weiterer Überschwemmungen bis Anfang September besteht.












