Die Europäische Zentralbank könnte die Zinssätze bei ihrer nächsten Sitzung der EZB-Rateerichtungsausschuss erhöhen, erklärte Bundesbank-Präsident Joachim Nagel am Dienstag. Als Grund nannte er die erhöhte Inflation im Euroraum. Bei einer Pressekonferenz am Rande der G20-Finanzministerkonferenz in Asheville (USA) bemerkte Nagel, dass die Märkte eine entsprechende Zinsanhebung bei der Sitzung am 10. September in Berlin offenbar richtig erwartet. Er fügte jedoch hinzu, dass die EZB weiterhin einen datengesteuerten Ansatz verfolgen werde und so Platz für weitere Anpassungen nach der kommenden Entscheidung lassen würde.
Die Inflation in der Eurozone verdoppelte sich im August auf 3,3%, den höchsten Wert seit drei Jahren, angetrieben hauptsächlich durch Energiepreissteigerungen im Zusammenhang mit dem Konflikt im Iran. Die EZB strebt einen Inflationsziel von 2% an, und die jüngste Erhöhung führt zu einem Preiswachstum, das deutlich oberhalb dieses Ziels liegt. Nagel unterstrich eine teilweise positive Entwicklung: Die Kerninflation, ausgenommen volatile Energie-und Lebensmittelpreise, sank von 2,5% auf 2,4%. Dies deutet auf begrenzte Auswirkungen einer zweite Welle hin, wie etwa eine Lohn-Preis-Spirale, die die inflationären Antriebe verstärken könnte.
Die Finanzmärkte setzen eine Erhöhung der Referenzzinssätze der ECB um einen Viertelprozentpunkt auf 2,50% voraus, was Nagel nicht ausschloss. Die Entscheidung wird in der ausserfrankenfurtsichen Sitzung der Zentralbank in Berlin getroffen, wo die Politikplaner vor der Herausforderung stehen, anhaltende Preisdämpfungen mit einer fragilen Wachstumsprognose zu balancieren.
Dieser warnte die deutsche Regierung auch separat davor, sich mit der AAA-Kreditnote der höchsten Kategorie zu entspannen. Er federte sich mit Finanzminister Lars Klingbeil, und betonte, dass die Aufrechterhaltung der fiskalischen Glaubwürdigkeit entscheidend ist. Er wies darauf hin, dass sich die Defizitentwicklung in Deutschland – während sie im Vergleich zu anderen Ländern immer noch relativ begrenzt ist – verschlechtert hat. Der Haushaltsdefizit der allgemeinen Regierung stieg im ersten Halbjahr auf 71,3 Milliarden Euro, was ein Anstieg von 36,6 Milliarden Euro gegenüber dem Vorjahr darstellt und entspricht 3,1 % des bruttonationalen Produktes. Dies übersteigt die 3%ige Grenze des EU-Haushaltsdefizits, die zuletzt im ersten Halbjahr 2021 während der Pandemie überschritten wurde.
Nagel anerkannte die verbesserten Wachstumsaussichten als ein entlastendes Faktor, warnte jedoch, dass eine fortgesetzte fiskalische Disziplin notwendig sei, um das Vertrauen der Märkte zu behalten. Alle grossen Rating-Agenturen vergeben Deutschland derzeit die höchste Kreditnote, wodurch der Staat trotz des steigenden Defizits relativ geringe Kreditzinsen zahlen muss.












