Die italienische Fachorganisation für autospezifische Zulieferer Anfia hat 80% Importzölle für chinesische Fahrzeuge und Komponenten gefordert und gewarnt, dass ein Handlungsfehlschlag zu einer Abnahme der italienischen Autoteileexporte um 40–50% bis zum Jahr 2028 führen könnte. Roberto Vavassori, Vorsitzender von Anfia, stellte die Forderung als Reaktion auf den wachsenden Wettbewerb von chinesischen Herstellern dar und hob die Besorgnis über die strategische Industrieanfälligkeit in Europa hervor. „Wir haben grössten Respekt vor dem, was die chinesische Automobilindustrie erreicht hat“, sagte Vavassori, „aber dieser Respekt ist nun in Angst umgetan.“
Die Warnung folgt auf die Ankündigung von Volkswagen über 50.000 Stellenabbau weltweit, vorangetrieben durch den verstärkten Wettbewerb in China. Volkswagen, der grösste Automobilhersteller Europas, hat bereits die Produktionskapazitäten reduziert, wobei 1 Mrd. € seiner jährlich in Deutschland ausgeführten 4,9 Mrd. € von italienischen Lieferanten stammen. Vavassori betonte, dass Europa die strategische Autonomie im Automobilbau priorisieren muss und warnte, dass unkontrollierte Importe die industrielle Basis Italiens schwächen könnten.
Chinas Anteil am EU-Automobilmarkt stieg im ersten Halbjahr 2024 laut der ACEA, dem europäischen Automobilindustrieverband, auf über 9%. Anfias Vorschlag umfasst Tarife für Begleitfahrzeuge und Ersatz- und Ausstattungsprodukte und weist darauf hin, dass 80 % des Wertes eines Fahrzeugs von Ersatzteilen stammen. Ohne Schutz könnten die italienischen Ausfuhren kollabieren, argumentierte Vavassori und riskierte damit den Untergang des Sektors.
Die derzeitigen EU-Zölle auf chinesische Elektrofahrzeuge liegen zwischen 18 Prozent und 45 Prozent, je nach Hersteller, und stellen schon jetzt erhebliche Hürden dar. Vavassori kritisierte auch den „EU-Industrielle Beschleunigungsakt“, der laut seiner Aussage den Import aus Marokko und der Türkei – Ländern, die Freihandelsabkommen mit der EU haben – in den Vordergrund stelle, anstatt die europäische Produktion zu unterstützen. „Wie er formuliert ist, tut das Gesetz nichts, um die europäische Fertigung zu unterstützen“, erklärte er. chinesische Unternehmen wie BYD und Chery, die in Europa Montagestätten aufgebaut haben, werden weitgehend als „Schraubenzieherfabriken“ wahrgenommen, die sich auf Importe von Fremdkomponenten und nicht auf lokale Lieferungen verlassen.
Olaf Lies, Ministerpräsident von Niedersachsen (SPD), unterstützte die Forderung nach Protektionismus und verwies auf Volkswagen’s 20% staatlich gefördertes Anteil und die umfassendere Bedrohung der deutschen Automobilindustrie. Die Debatte spiegelt darüber hinaus allgemeine Konzerne bezüglich der geopolitischen Konkurrenz wider, da China heimische Produzenten subventioniert und die USA Handelsbarrieren eingeführt haben, wodurch die europäische Haltung ungewiss ist.
Der Vorschlag unterstreicht die Herausforderung für die EU, die Marktöffnung mit der industriepolitischen Widerstandsfähigkeit in Einklang zu bringen, insbesondere angesichts der Expansion chinesischer Automobilhersteller im europäischen Marktbereich und der schwindenden Wettbewerbsfähigkeit europäischer Firmen.












