Südkorea startet erstmals eine Handelsschiff-Pilotfahrt durch die von Russland kontrollierte Nordostpassage, um eine alternative Route zwischen Asien und Europa zu erproben. Das Containerschiff PanStar Acro soll am Samstag vom Hafen Busan aus in See stechen und nach einer Umrundung Russlands die europäischen Häfen Felixstowe (Großbritannien), Rotterdam (Niederlande) und Danzig (Polen) ansteuern.
Die Route durch das Polarmeer ist im Spätsommer aufgrund des schmelzenden Eises zunehmend befahrbar und bietet theoretisch eine deutlich kürzere Verbindung als die traditionelle Strecke durch den Suezkanal. Der Betreiber PanStar kalkuliert für die Hin- und Rückfahrt eine Dauer von 40 bis 45 Tagen – eine Zeitersparnis von bis zu 35% gegenüber der Suez-Route bei gleichzeitig reduziertem Treibstoffverbrauch. Das eingesetzte Schiff mit 2.700 TEU Kapazität wurde speziell für die Polarfahrt umgerüstet und soll mindestens 1.300 TEU Fracht transportieren, darunter Autoteile, Lebensmittel und Kosmetika.
Die Genehmigung für die Fahrt durch russische Gewässer erforderte jedoch politische Abstimmungen zwischen Seoul und Moskau. Westliche Diplomaten äußerten Bedenken, dass Südkorea durch die Nutzung der Route indirekt die Isolation Russlands untergrabe. «Wir wollen Russland isolieren, wir wollen kein Engagement mit Russland», erklärte ein europäischer Diplomat mit Verweis auf den Ukraine-Krieg. Südkoreanische Behörden räumten ein, dass die Route saisonal begrenzt und mit Risiken verbunden ist, darunter hohe Versicherungsprämien und die Abhängigkeit von russischer Logistik.
Der Schiffsverkehr durch die Nordostpassage hat in den vergangenen Jahren zugenommen: 2023 passierten 88 Schiffe die Route 103 Mal, 2024 waren es bereits 97 Durchfahrten (2022: 43). Bisher dominieren russische und chinesische Reedereien diese Route. China plant zudem den ersten regulären Containerdienst über den Nördlichen Seeweg nach Europa, was Südkoreas Vorstoß beschleunigt. PanStar betonte die strategische Bedeutung der Initiative für Seoul, das bis 2030 eine dauerhafte Handelsroute etablieren und den Hafen Busan zum globalen maritimen Knotenpunkt ausbauen will.
Experten warnen jedoch vor potenziellen Sanktionen, falls das Schiff auf der Route in Not gerät und russische Hilfe in Anspruch nehmen müsste. Die südkoreanische Regierung und das russische Außenministerium äußerten sich nicht zu den Bedenken.












