Ein früher als unzuverlässig geltender Rahmen zur Bewertung der Aktien wird jetzt wieder verstärkt untersucht, da die steigenden Zinsen für US-Treuhälern ihre Signalwirkung wiedererlangen. Das Modell, das von Yardeni Research entwickelt wurde, vergleicht den zukünftigen Gewinnsquote des S&P 500 mit der 10-jährigen US-Treuhalszins, und erachtet Aktien als unterbewertet, wenn der Gewinnsquote den Zinssatz der Anleihen übersteigt.
Das Framework hat in den 1980er und 1990er Jahren gut funktioniert, verlor aber in den darauf folgenden Jahrzehnten seinen Vorhersagewert und gab stets den Aktien einen günstigen Wert zu, selbst in Zeiträumen des Abschwungs, darunter die Finanzkrise von 2008. Seine Erneuerung deckt sich mit dem Abbruch der quantitativen Lockerung durch die Federal Reserve, die die Rendite der US-Staatsanleihen gedrückt und traditionelle Bewertungsindikationen verzögert hatte.
Aktuelle Daten zeigen, dass die 10-Jahres-Rendite der amerikanischen Bundeswertpapiere bei 4,68% liegt, was einem Ertragszyklus von 21,4 entsprechen würde. Das Forward-Preis-Ünerbringungs-Verhältnis des S&P 500 beträgt 19,9, was unter Yardeni’s Basis einen fairen Wertansatz nahe 8.300 für den Index impliziert. Die Gesellschaft erwartet, dass die 10-Jahres-Rendite in ihrem Basis-Szenario zwischen 4% und 5% liegen wird, und widmet dem Szenario „düsteres 2020er-Jahrtausend“ eine Wahrscheinlichkeit von 80%.
Die Analysten warnen, dass die Erneuerung des Modells immer noch davon abhängig ist, ob die makroökonomische Stabilität erhalten bleibt. Anhaltige Inflation, steigende Bundesdefizite und rekordhohen Schuldenstand – der US-Anschlussfondsschuldenberg übersteigt jetzt 40 Billionen US-Dollar, darunter 31 Billionen in marktreife Wertpapiere – birgt strukturelle Risiken. Die jährlichen Treuhänderzinszahlungen sind auf ein Rekordhoch von 1,1 Billionen US-Dollar gestiegen, während das Auslandshandelnsatz mit Treasuries bei 9,3 Billionen US-Dollar weiterhin sehr nahe historischen Höchstwerten liegt, die Erhöhung dieser Bestände ist jedoch aufzuhalten.
Die amerikanischen Handelsbanken haben zudem ihr Treasury-Portfolio auf ein Rekordniveau von 4,8 Billionen US-Dollar ausgebaut, was auf die erhöhten Nachfrage nach hochwertigen liquidem Vermögenswerten zurückzuführen ist. Die Empfindlichkeit des Modells gegenüber höheren Renditen bleibt jedoch eine wesentliche Schwachstelle. Ein länger anhaltender Anstieg der 10-Jahres-Zinsen über 5 % könnte das fairen Ertrags-Multiplikator des S&P 500 zusammenbrechen lassen und die Risiken nach unten verstärken, falls die Kreditkosten die Wirtschaftswachstum weiter beeinträchtigen.












