Die europäischen Erdgaskurse stabilisierten sich am Dienstag nach einem starken Wochenanstieg um sieben Prozent. Die Referenzfutures für den niederländischen Front-Monat sowie die entsprechenden Grosshandelskontrakte aus dem Vereinigten Königreich bewegten sich nahezu unverändert nahe fünfmonatigen Hochs.
Die Pause bei den Gewinnen folgte der Ankündigung Washingtons über neue Sanktionen gegen Teheran, die von der Trump-Administration als „economic D-Day“ bezeichnet wurden. Die Händler waren jedoch der Ansicht, dass die Massnahmen nicht sofort zur Unterbrechung von Schifffahrtswegen im Persischen Golf oder der Hormusstrasse führen würden. Der Massnahmenpaket stärkte die bestehenden Beschränkungen für den iranischen Schiffsverkehr und die iranische Technologie, ohne neue Seeverbote oder Schiffseizungen einzuführen. Dadurch blieben die Lieferwege weitgehend intakt.
Die regionalen Erdgasmärkte hatten auf Grund steigender Bedenken über mögliche Engpässe ihren höchsten Stand seit Mitte März erzielt, doch die erste Reaktion der Märkte auf die Sanktionen erwies sich als kurzlebig. Brent-Rohöl, das in der Nacht kurzfristig angezogen hatte, rückte später auf einen Handel bei 91,50 US-Dollar pro Fass.
Die prekäre Versorgungssituation Europas vor der Heizsaison im Herbst bleibt weiterhin unbefriedigt. Laut den Daten von Gas Infrastructure Europe verfügen die unterirdischen Speicherkammern der EU nur noch über knapp 60 % der Gesamtkapazität, was unter dem saisonalen Standard liegt und das perspektivische Engagement im Energiesystem des Blocks widerspiegelt. Der Auffüllungsprozess wurde zusätzlich durch die erhöhte Stromnachfrage im Sommer auf Grund der Klimatisierung und die ausbleibenden Lieferungen von verflüssigtem Erdgas aus dem Katar erschwert, was den zusätzlichen Zuströmen zu den europäischen Anlagen schränkt.
Analysten stellen fest, dass die jüngsten US-Massnahmen zwar keine unmittelbaren Lieferungsprobleme hervorriefen, jedoch die grundlegende Schwachstelle der europäischen Energieinfrastruktur die Markte mit zunehmender Winternähe vor einer erneuten Volatilität ausgesetzt lässt.













