Die anhaltende Schwäche des Yen gegenüber dem Dollar könnte nach der koordinierten Interventionsaktion Ende Juli unter der Führung von US-Finanzminister Scott Bessent einen Wendepunkt erreichen. Die Massnahme markiert die erste gemeinsame Yen-Stützaktion seit der Asienkrise 1998 und fällt mit wachsenden Erwartungen einer Leitzinserhöhung der Bank of Japan (BoJ) im September zusammen.
Chris Turner, globaler Leiter Märkte bei ING, und FX-Stratege Francesco Pesole schätzen, dass der Yen laut dem Fair-Value-Modell der Bank nach wie vor rund 20% gegenüber dem Dollar unterbewertet ist. Das Behavioral Equilibrium Exchange Rate (BEER)-Modell von ING zeigt, dass der USD/JPY-Kurs im gesamten Jahr 2026 über seinem Gleichgewichtsniveau von mehr als 20% gehandelt wurde. An den Märkten wird derzeit mit einer Wahrscheinlichkeit von etwa 75% eine Leitzinserhöhung der BoJ im September eingepreist, was die Währung zusätzlich stützen könnte.
Die im Juli vorgestellte neue Wachstumsstrategie Japans sieht vor, bis 2040 insgesamt 370 Billionen Yen (rund 2,3 Billionen US-Dollar) an öffentlichen und privaten Investitionen zu mobilisieren. Dies signalisiert eine langfristige strukturelle Unterstützung für die Wirtschaft. Analysten verweisen zudem auf Japans Fähigkeit, 46% seiner ausländischen Investitionserträge als reinvestierte Gewinne im Ausland zu behalten – im Vergleich zu 40% in Südkorea, 28% in Deutschland und 18% in Taiwan. Dies unterstreicht die anhaltenden Kapitalabflüsse aus Japan.
ING geht in seiner Basisszenario-Prognose von einem USD/JPY-Kurs von 158 zum Jahresende 2026 und von 152 zum Jahresende 2027 aus. Dies würde eine allmähliche Korrektur des aktuellen Niveaus widerspiegeln. Analysten zufolge könnten strukturelle Verschiebungen in Japans Devisenpolitik oder Portfolio-Umschichtungen mit der nächsten BoJ-Sitzung am 30. Oktober zusammenfallen.
Turner bezeichnete Bessents Intervention als spekulativen Einsatz auf eine Yen-Aufwertung und verwies dabei auf dessen Hintergrund im Devisenhandel. Die Massnahme folgt auf Mexikos Banxico, das im September 2023 eine Forward-Position von 7,5 Milliarden US-Dollar im USD/MXN-Kurs glattstellte, sowie auf die schwedische Riksbank, die im Juni 2023 ihre Devisenreserven hedgte. Dies unterstreicht breitere Verschiebungen in der globalen Devisenmanagement-Strategie.













