Der Unternehmensgewinnzyklus in Europa kommt nach drei Jahren stagnierender Erträge und Umsätze wieder auf Kurs. Laut UBS handelt es sich dabei um den stärksten Zuwachs seit 2022 im 2. Quartal. Die Strategen der Schweizer Bank, unter der Leitung von Dean Turner, erwarten für die europäischen Aktien nun ein Gewinnwachstum von 15% im Jahr 2026, das sich bis ins Jahr 2027 fortsetzen wird, da die Kreditnachfrage und die Aktivität an den Kapitalmärkten sich verstärkt zeigen.
UBS fasste vier Anlagechancen zusammen, die mit der Entwicklung in Einklang stehen. Erstens sind es Investments in Unternehmen, die Kapazitäten zur Umsetzung von Investitionsvorhaben schaffen – europäische Industrieunternehmen und IT-Firmen mit hoher Präsenz auf dem Gebiet der KI-Infrastruktur, Elektrifizierung und Automatisierung. Zweitens favorisiert die Bank europäische Banken, die von der steigenden Nachfrage nach Firmenkrediten profitieren werden, während die Sparbuchhaltung gegenüber den Krediten ein Ungleichgewicht aufweist; das Wachstum der Firmenkredite in der Eurozone beschleunigte sich im Juli 2026 auf 4,4% gegenüber dem Vorjahr.
Ein drittes Thema richtet sich auf europäische Qualitätsführer, die von strukturellen Trends wie Industrie 4.0, Automatisierung, Investitionen in die Verteidigung und die Infrastruktur, Dekarbonisierung sowie demografischen Veränderungen betroffen sind. Viertens empfiehlt UBS Schweizer Mid-Caps als bevorzugte Weg zur Erholung der Schweizer Wirtschaft. Sie argumentiert dabei mit einer Mischung aus struktureller Wachstums, einem zyklischen Aufwärtspotenzial und angemessenen Bewertungen im Vorfeld der Rebalancierung des SMIM-Index am 18. September. Der SMI-Index für Grosskapitalien dürfte defensiver werden, nachdem der Index für Mittelkapitalien auf zyklische Wertpapiere drängt.
Auch die makroökonomischen Faktoren entfalten eine Aufwärtsentwicklung. Das durchschnittliche Kredit–Einlagen-Verhältnis in der Eurozone sank im ersten Quartal 2026 von über 140% während der Weltfinanzkrise auf 93% und deutet damit auf eine verbesserte Liquidity im Bankensektor hin. Die Mitglieder des NATO vereinbarten im Juni 2025, die Ausgaben für Verteidigung und Sicherheit bis 2035 auf 5% des BIP zu erhöhen, wobei die europäischen NATO-Mitglieder und Kanada ihre Aufwendungen 2025 um 19% erhöhen und bis 2026 weitere 11% auf 634 Milliarden USD steigen werden.
Der Gewinnwachstum ohne Energie belief sich im zweiten Quartal auf 11% gegenüber dem Vorjahreszeitraum, während die Umsätze ohne Energie um 8% gegenüber dem Vorjahr gestiegen sind. Rund 55% der Marktkapitalisierung des MSCI Europe-IT-Sektors ist auf Unternehmen konzentriert, die Halbleiteranlagen, Stromsysteme, Kühlung und Datencenterelemente liefern, was die Breite der Investitionen für die Erholung unterstreicht.













