Die Inflation in den USA verblieb im Juli weiterhin deutlich über dem Ziel der US-Notenbank Fed von 2%, mit einem Anstieg der Verbraucherpreise um 3.7% gegenüber dem Vorjahr. Damit liegt die Teuerung fast doppelt so hoch wie das von der Zentralbank angestrebte Niveau. Die neuesten Daten unterstreichen die Herausforderungen, denen sich der neue Fed-Präsident Kevin Warsh gegenübersieht, kurz vor seiner ersten grossen politischen Rede an der jährlichen Konferenz der Kansas City Fed in Jackson Hole.
Die am Mittwoch veröffentlichten Juli-Zahlen zeigten breit gestreute Preisdrucke. Die Preise für Autos stiegen mit einer Jahresrate von rund 5%, während Wohn- und Energiekosten um mehr als 3.5% zulegten. Die Preise für Freizeitgüter verzeichneten sogar einen zweistelligen Anstieg, was auf anhaltende inflatorische Spannungen über verschiedene Sektoren hinweg hindeutet. Die Fed verfehlt ihr Inflationsziel nun bereits seit 65 aufeinanderfolgenden Monaten – eine Phase, die während der COVID-19-Pandemie 2021 begann und sich trotz einer kurzen Entspannung im Jahr 2024 seither wieder verschärft hat.
An der Sitzung der Fed vom 28. bis 29. Juli stimmten drei Mitglieder gegen die Beibehaltung des Leitzinses im Bereich von 3.50% bis 3.75% und plädierten stattdessen für eine Erhöhung. Seither haben sich die Markterwartungen verschoben: Investoren rechnen nun mit einer möglichen Zinserhöhung bereits an der Sitzung vom 15. bis 16. September und bis Ende 2026. Die geldpolitische Ausrichtung der Zentralbank steht dabei zunehmend unter Beobachtung, insbesondere im Hinblick auf ihre Unabhängigkeit und Kommunikationsstrategie.
Boston Fed-Präsidentin Susan Collins betonte die Notwendigkeit nachhaltiger Fortschritte bei der Inflationsbekämpfung und deutete an, dass weitere Straffungen nötig sein könnten, falls sich keine Anzeichen für eine nachlassende Preisdynamik zeigen. «Sollten sich keine klaren Anzeichen für eine nachhaltige Verbesserung der Inflation zeigen, halte ich eine Straffung der Geldpolitik bald für angemessen, um die Preisstabilität in einem angemessenen Zeitrahmen zu gewährleisten», so Collins am Mittwoch.
Die Debatte um die Inflation gewinnt vor dem Hintergrund hoher US-Haushaltsdefizite an Schärfe, die nun fast 6% des BIP ausmachen. Die überraschende Ankündigung von Finanzminister Scott Bessent vom vergangenen Freitag, ein Rückkaufprogramm für Staatsanleihen einzuführen, hat die Aussichten zusätzlich verkompliziert. Analysten hinterfragen dabei mögliche Abstimmungsprobleme zwischen Fiskal- und Geldpolitik. Gregory Daco, Chefvolkswirt bei EY-Parthenon, wies darauf hin, dass die Kommunikation der Fed ihre Unabhängigkeit untergraben könnte, insbesondere wenn Märkte eine allfällige Abstimmung mit den Zielen der Regierung wahrnehmen.
Steven Blitz, Chefvolkswirt bei TS Lombard, kritisierte den Eingriff scharf und stellte fest, dass Warshs Betonung der Marktmeinung durch Bessents Massnahme untergraben werde. «Warsh hat grossen Wert darauf gelegt, auf die Signale der Märkte zu hören. Nun haben die Märkte gesprochen – und Bessent hat sie zum Schweigen gebracht», so Blitz. Diese Dynamik unterstreicht die Spannungen zwischen Fiskalpolitik und dem Inflationsbekämpfungsmandat der Fed, insbesondere in einer Phase, in der ausländisches Kapital für die Finanzierung der US-Staatsverschuldung immer wichtiger wird.












