Schweizer unabhängige Vermögensverwalter stehen vor wachsenden Compliance-Risiken, da sie unter strengen Datenschutzregeln den Einsatz von generativen Künstlichen Intelligenzen vorsehen müssen. Unternehmen, die sensible Kundendaten – einschließlich Portfoliounterlagen und Familienangaben – verarbeiten, müssen dieselben Daten- und Überwachungsverantwortlichkeiten wie große Banken übernehmen, operieren jedoch mit weit weniger Ressourcen für Cybersecurity, Datenschutz und Qualitätssicherung.
Die Effizienzsteigerungen, die von KI versprochen werden, sind beträchtlich, insbesondere für kleine Teams, die mit manuellen Prozessen belastet sind. Wenn zugelassene Tools jedoch nicht die erwarteten Leistungen erbringen, wenden sich die Mitarbeiter oft zu uneinheimischen Anwendungen, was die Regulierungsbehörden als 'Schatten-KI' bezeichnen. Diese Praxis besteht darin, frei verfügbare KI-Tools ohne Unternehmenszulassung zu verwenden, was Unternehmen unter das Risiko juristischer und reputationsbedingter Schwächen bringt.
Das Schweizer Datenschutzrecht gilt für die Datenverarbeitung mit Hilfe von KI und verpflichtet Unternehmen, den Zweck, die Funktionsweise und die Datenquellen aller verwendeten KI-Tools offenzulegen. Zu den Compliance-Verpflichtungen gehören Transparenz, Zweckbegrenzung, Verhältnismäßigkeit und Datensicherheit sowie Pflichten im Zusammenhang mit Datentransfers an Dritte, Bewertungen der Datenverarbeitungsfolgen und Meldungen bei Datenschutzverletzungen. Verstöße können die Verantwortlichen für eine persönliche Haftung machen.
Die Schweizerische Finanzmarktaufsicht (FINMA) hat die Notwendigkeit von Governance-Strukturen für KI hervorgehoben, einschließlich zentraler Bestände an KI-Werkzeugen, Risikoklassifikationen, klare Rechenschaftspflichten – die nicht auf KI oder auf Dritte übertragen werden können – sowie robuster Dokumentation. Eine FINMA-Umfrage im April 2025 ergab, dass fast die Hälfte der 400 befragten Institute KI bereits im alltäglichen Betrieb einsetzt oder Anwendungen entwickelt, während ein Viertel in den kommenden drei Jahren eine Implementierung plane. Die regulatorische Überwachung von KI-Risiken ist nun obligatorisch.
Eine Studie von HP Schweiz unter 1.300 Büromitarbeitern in deutschen Sprachregionen ergab, dass über die Hälfte der Befragten wöchentlich KI-Tools nutzt, aber nur 48% berichten über klare Unternehmensrichtlinien. Beunruhigend ist, dass 27% Kundenspezifische oder persönliche Daten in diese Tools eingeben, was die Verbreitung von Schatten-KI als systemisches Problem statt ein isolierter Missachtung der Regeln unterstreicht.
Um Risiken zu begrenzen, wird den Unternehmen empfohlen, einen Überblick über die Nutzung von KI zu behalten, indem sie genehmigte Tools und Anwendungsfälle katalogisieren. Klare Richtlinien sollten ausdrücklich die Eingabe personenbezogener Daten in nicht zugelassene Plattformen verbieten, unterstützt durch technische Kontrollen wie Blockierungsmechanismen und Datensicherheitsmaßnahmen. Vereinfachte Genehmigungsprozesse unter menschlicher Aufsicht können dazu beitragen, Innovation und Compliance in Balance zu halten. Attraktive, compliant Alternativen mit Garantien für Datenresidenz in der Schweiz oder der EU – wobei ausgenommen wird, dass Daten für das Trainieren von Modellen genutzt werden – sind entscheidend, um die Abhängigkeit von Schatten-KI zu reduzieren.
Marcuard Heritage stellt sich der Herausforderung, indem es die Datenqualität priorisiert, heterogene Datenströme in einer Kernanwendung mit strikten Kontrollen entlang der Datenwertschöpfungskette konsolidiert und in die Weiterbildung der Mitarbeiter investiert, причтом auf eine ordnungsgemäße Nutzung von KI-Werkzeugen, die Anonymisierung von Kundendaten sowie den verantwortungsvollen Umgang mit KI-generierten Ergebnissen geachtet wird. Die Verantwortung für die Ergebnisse liegt bei den Mitarbeitern und dem Unternehmen, nicht bei der Technologie.
Verstöße gegen die Datenschutz- oder Berufsgeheimnisgesetze können Berichtspflichten und strafrechtliche Haftung zur Folge haben, während reputationsschädigende Folgen noch größere Gefahren darstellen. Der Vertrauensgrad in die Datensicherheit ist für Schweizer und europäische Vermögensverwalter weiterhin ein wesentlicher Wettbewerbsfaktor, insbesondere da die Adoption von KI zunimmt. Unternehmen, die strenge Compliance vorweisen können, können in einem Bereich, in dem Experten zunehmend kostengünstig verfügbar sind, einen Wettbewerbsvorteil erzielen.












