Öffentliche Bitcoin-Mining-Unternehmen reduzierten ihre kollektive Hashrate im zweiten Quartal um 13,4 %, wie Branchendaten zeigen. Gleichzeitig stiegen die Erlöse aus KI- und Hochleistungsrechenzentren (HPC) deutlich stärker an als die Einnahmen aus dem Kryptomining.
Der Rückgang der Rechenleistung – ein Mass für die gesamte Verarbeitungsleistung zur Validierung von Bitcoin-Transaktionen – spiegelt eine strategische Neuausrichtung der Betreiber wider. Immer mehr Miner setzen ihre Energie- und Rechenzentrumsinfrastruktur für KI-Workloads ein, die höhere Margen und stabilere Erlösströme bieten als das volatile Kryptomining.
Marathon Digital, einer der grössten öffentlichen Bitcoin-Miner, verzeichnete im Quartal einen Rückgang der Hashrate um 24 %, während gleichzeitig Ressourcen in KI-Rechenzentrumsprojekte umgeschichtet wurden. CEO Fred Thiel begründete diesen Schritt mit den "überlegenen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen" in der KI-Infrastruktur – trotz der jüngsten Kurssteigerungen von Bitcoin.
Auch Riot Platforms passte seine operative Ausrichtung an und reduzierte die Hashrate um 12 %. Gleichzeitig stieg der Anteil der Erlöse aus KI- und HPC-Aktivitäten auf 15 % des Gesamtumsatzes im zweiten Quartal, gegenüber 8 % im Vorquartal. Branchenanalysten beobachten eine Beschleunigung dieses Trends, da Miner angesichts steigender Energiekosten und regulatorischer Herausforderungen nach Diversifizierung streben.
Ein kleinerer Kreis von Minern, darunter CleanSpark und Cipher Mining, setzte weiterhin auf den Ausbau der Bitcoin-Kapazitäten. Sie verwiesen dabei auf das langfristige Vertrauen in die Sicherheit des Bitcoin-Netzwerks und die betriebliche Effizienz. CleanSpark steigerte seine Hashrate im Quartal um 8 %, während Cipher Mining seine Rechenleistung um 5 % erhöhte.
Die divergierenden Strategien unterstreichen die sich wandelnden wirtschaftlichen Rahmenbedingungen im Bitcoin-Mining: Energieintensive Operationen stehen zunehmend in Konkurrenz zur Nachfrage nach Rechenleistung durch KI-Anwendungen. Auch Betreiber von Rechenzentren profitieren vom wachsenden KI-Einsatz in Unternehmen, was den Wettbewerb um günstigen Strom in für das Mining zentralen Regionen weiter verschärft.
Analysten von Bernstein schätzen, dass KI-Rechenzentren bis 2027 bis zu 4,5 % des globalen Stromverbrauchs ausmachen könnten – gegenüber rund 2 % im Jahr 2023. Dies verschärft den Wettbewerb um Energie in Regionen, die für das Bitcoin-Mining von zentraler Bedeutung sind.
Der Wandel geht einher mit einer breiteren Branchenkonsolidierung, da kleinere Miner mit den Skaleneffekten und der Effizienz von KI-integrierten Betreibern kaum noch mithalten können. Öffentliche Miner, die nicht in KI oder HPC diversifiziert haben, stehen unter zunehmendem Druck, ihre Kosten zu optimieren – andernfalls drohen weitere Hashrate-Reduktionen.


