Value-Investing bleibt ein bewährter Ansatz für langfristigen Vermögensaufbau, der seit Jahrzehnten durch Investoren wie Warren Buffett geprägt ist. Der Fokus liegt auf unterbewerteten Unternehmen, deren Aktienkurse unter ihrem inneren Wert gehandelt werden. Diese Titel zeichnen sich typischerweise durch stabile Finanzkennzahlen aus: geringe Verschuldung, nachhaltige Gewinne und etablierte Geschäftsmodelle.
Die Identifikation solcher Aktien erfordert eine methodische Analyse. Value-Investoren stützen sich auf zentrale Bewertungskennzahlen wie das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV), das Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) und die Gewinnrendite. Ein KGV unter dem Branchendurchschnitt deutet häufig auf Unterbewertung hin, während ein KBV unter 1,0 darauf hindeuten kann, dass der Marktpreis unter dem rechnerischen Substanzwert liegt. Die Eigenkapitalrendite (ROE) und der Verschuldungsgrad ergänzen diese Bewertung, wobei ein niedriger Verschuldungsgrad unter 1,0 als positiv gilt.
Die Herausforderung besteht darin, branchenspezifische Unterschiede zu berücksichtigen. Während in der Versicherungsbranche ein KGV zwischen 8 und 15 auf Unterbewertung hindeuten kann, gelten in der Technologiebranche oft höhere KGV-Niveaus von 20 bis 30 als fair. Erfolgreiche Investoren kombinieren daher quantitative Kennzahlen mit qualitativen Faktoren wie Managementqualität, Wettbewerbsposition und Branchentrends.
Das Risiko der sogenannten Value-Falle bleibt eine zentrale Gefahr. Unternehmen können aus berechtigten Gründen günstig bewertet sein, etwa aufgrund struktureller Probleme oder veralteter Geschäftsmodelle. Beispiele wie Zeitungsverlage oder Einzelhändler zeigen, dass niedrige Bewertungen nicht zwangsläufig Chancen darstellen. Selbst bei korrekter Analyse kann es Jahre dauern, bis der Markt die Unterbewertung erkennt, was Geduld und Disziplin erfordert.
Value-Aktien haben seit 2007 im Vergleich zu Wachstumswerten unterperformt, mit einer kurzen Phase besserer Performance in den Jahren 2022 und 2023. Dennoch sehen Analysten wie Morningstar in günstig bewerteten Titeln weiterhin eine aussichtsreiche Strategie, insbesondere in Phasen, in denen Wachstumswerte überbewertet erscheinen.









