Der anhaltende Konflikt zwischen Russland und der Ukraine hat die globale Getreideversorgung vor allem in Afrika, dem Nahen Osten und Teilen Asiens unter Druck gesetzt. Beide Länder, die zu den größten Weizenexporteuren weltweit zählen, haben ihre Ausfuhrhäfen und Schiffsrouten im Schwarzen und Asowschen Meer weitgehend blockiert.
Nach Berechnungen auf Basis offizieller Daten und Analystenschätzungen sind über 97% der Exportkapazitäten beider Länder in der Region ausgefallen. Vor dem Krieg exportierten Russland und die Ukraine durchschnittlich 7,2 Millionen Tonnen Getreide monatlich über Terminals am Asowschen und Schwarzen Meer. Aktuell ist die zivile Schifffahrt im Schwarzen Meer praktisch zum Stillstand gekommen, wie Jewgeni Karabanow, Leiter des Analysekomitees des Getreideverbands Kasachstans, bestätigte.
Die Blockade treibt die globalen Weizenpreise in die Höhe. Allein im aktuellen Monat stiegen die Preise um rund 6,5%, während der Jahresvergleich einen Anstieg von 30% zeigt. Große Lagerbestände und gute Ernten hatten die Lage zuvor etwas entspannt, doch nun wächst der Druck auf Importländer, alternative Versorgungsquellen zu sichern. Viele Abnehmer in Afrika und Asien müssen auf teurere Anbieter wie Australien oder die USA ausweichen.
In Russland ist nur noch ein einziges kleines Getreideterminal am Schwarzmeerhafen Tuapse offiziell in Betrieb, mit einer Kapazität von etwa 160.000 Tonnen pro Monat. Große Anlagen in Noworossijsk, darunter NZT und NKHP, wurden nach ukrainischen Drohnenangriffen geschlossen. Auch das größte russische Getreideterminal KSK sowie das Terminal in Taman am Asowschen Meer stellten den Betrieb ein. Analysten schätzen die russischen Weizenexporte für August auf lediglich 1,8 Millionen Tonnen, den niedrigsten Wert seit 2010.
Die ukrainischen Schwarzmeerterminals sind vollständig außer Betrieb. Die Häfen rund um Odessa haben ihren Betrieb Ende Juli eingestellt, und bis Mitte August wurden keine neuen Schiffsanläufe verzeichnet, wie der ukrainische Landwirtschaftsminister Taras Wyssozkyj mitteilte. Beide Länder versuchen, Ausweichrouten zu nutzen, doch deren Kapazitäten sind begrenzt. Die Ukraine exportiert Getreide zu etwa 45% über Bahnverbindungen nach Osteuropa und zu 45% über Donauhäfen, während die restlichen 10% per Lastwagen transportiert werden. Wyssozkyj geht davon aus, dass bei anhaltender Blockade 50% des Exportpotenzials aufrechterhalten werden können. Russland leitet einen Teil der Ausfuhren über Häfen an der Ostsee, am Kaspischen Meer und am Pazifik um, doch diese Routen sind logistisch anspruchsvoller und teurer.












