Der deutsche Dax verlor am Donnerstag unter Druck durch steigende Ölpreise und geopolitische Unsicherheiten, trotz einer überraschend starken Erholung des Ifo-Geschäftsklimas. Der Index schloss mit einem Rückgang von 0,57 % bei 25.266,53 Punkten, wobei der Schlusskurs innerhalb eines Bereichs zwischen einem 1 % Abschlag und der Gewinnschwelle schwankte. Ein weiterer Indikator für langfristige Marktstimmung, die 100-Tage-Durchschnittslinie, fiel unter den Kurs und signalisierte damit keine positiven Chartimpulse. Der MDax, der mittelgroßen deutschen Unternehmen gilt, verlor sogar 1,39 % auf 30.782,60 Punkte. Die Hoffnung auf eine Entspannung im Nahen Osten, die im September Ölpreise zunächst gedrückt hatte, erlosch. Geopolitische Spannungen könnten sich weiter verschärfen, wie von der Islamischen Revolutionsgarde bestätigt wurde, was die Preise für Rohöl weiter belastete. Zudem unterstrich die Dekabank die Risiken durch mögliche Eskalationen im Nahen Osten, die auch andere Märkte beeinflussen könnten.
In Deutschland signalisierte eine Erwartungsverschärfung der Forschungsinstitute eine stärkere Wirtschaftswachstumsprognose: Das BIP-Wachstum wurde von 0,6 % auf 1,3 % verdoppelt. Das Ifo-Geschäftsklima verbesserte sich im September um 1,1 Punkte auf 89,9 Punkte, was die Resilienz der deutschen Wirtschaft unterstreicht. Dennoch zeigten sich einige Sektoren unter Druck. Der Autosektor und die Technologiebranche, darunter Infineon, verloren an Wert, während auch der Rüstungssektor mit Verlusten kämpfte. In den USA trübte sich die Stimmung im Chipsektor ein, besonders nach dem Rückgang der Infineon-Aktien.
Ein bedeutender Einzelverlierer im Dax war Scout24, das mit einem Rückgang von über 3 % einen zweimonatigen Tiefpunkt erreichte. Experten von Banken wie der Bank of America warnten vor potenziellen Auswirkungen von KI-Agenten auf den Kleinanzeigen-Markt, was die Skepsis in der Branche verstärkte. Im MDax fiel United Internet um etwa 1 % unter Druck, während der Abgang des Finanzvorstands Carsten Theurer das Personalmanagement beschleunigte und André Driesen als Nachfolger ab dem 1. November ernannt wurde.
Im Nebenwerteindex SDax gewannen die Aktien der Shelly Group vier Prozent, profitierend von einem Übernahmeangebot des französischen Technologiekonzerns Schneider Electric, das 70 Euro je Aktie bot. Allerdings blieb der Kurs mit 67 Euro unter der Offerte und weckte daher nur begrenzte Begeisterung. Im Gegenteil, die Verbio-Aktien verloren über 3 % und korrigierten ihre Vortagsgewinne, nachdem der Gewinnausblick nicht vollständig überzeugte.
Europaweit verlor der EuroStoxx 50 um 0,43 % auf 6.272,50 Punkte, während außerhalb der Eurozone wichtige Leitindizes zwar zunächst im Plus lagen, sich aber nicht halten konnten. Der Schweizer SMI und der britische FTSE 100 gingen jeweils moderat im Minus aus dem Handel. In den USA verlor der Dow Jones Industrial mit 0,7 % und der technologieorientierte Nasdaq 100 mit 0,8 % nach einem Dienstagsrekord.
Ein weiterer Fokus lag auf dem dreitägigen Staatsbesuch des chinesischen Präsidenten Xi Jinping in den USA. Kurz nach seiner Ankunft bestätigte US-Finanzminister Scott Peters die Verlängerung der Zollpause zwischen beiden Ländern um zwei Monate. Gleichzeitig kündigte US-Präsident Donald Trump weitere Entscheidungen im Bereich Künstlicher Intelligenz an, was die globale Aufmerksamkeit auf technologische und wirtschaftliche Entwicklungen lenkte.
Die Kombination aus Ölpreisdruck, geopolitischen Risiken und sectoralen Schwächen dominierte den Handel, während die konjunkturellen Daten aus Deutschland die Stimmung nur teilweise abfederten.











