Ich habe das plötzliche und seltenere Einmischung des Yen mit einer Mischung aus Neugierde und Vorsicht verfolgt. Als das Finanzministerium eingriff, um den Yen zu unterstützen, wurde ein deutliches Signal gesendet, wonach die ultreniedrigen Renditen der Währung nicht mehr als selbstverständlich betrachtet werden dürfen. Die unmittelbare Folge war eine bescheidene Aufwertung des Yen und ein Sprung bei den kurzfristigen Zinssätzen, der ausreichen dürfte, um den traditionellen Yen-Carry-Trade unattraktiver erscheinen zu lassen.
Was diese Entwicklung für uns im FX-Bereich besonders interessant macht, ist der entstandene Vakuum für eine neue Finanzierungswährung. Der Schweizer Franken, der lange seitens der SNB wegen des vererbten negativen Zinsniveaus als schlechte Finanzierungsoption abgelehnt wurde, erscheint nun überraschend günstig. Die SNB hat ihren Leitzins bei Null gehalten und mit der intakten Anlegeraur der Franken haben die Kosten des Frankenkredits sich bis in den unteren Bereich des Major-Währungsumfelds gesenkt.
Im Gegensatz dazu hat die Intervention bei den Yen die Rendite der 10-jährigen JGB um ein paar Basispunkte erhöht und die Aussicht auf weitere Anpassungen der Politik hervorgebracht. Auch eine moderate Erhöhung der japanischen Zinsen untergraut den klassischen «Yen verkaufen, höherrendige Vermögenswerte kaufen»-Carry-Trade und zwingt Investoren, nach Alternativen zu suchen. Die Kombination aus niedrigen Finanzierungskosten und dem Ruf der Stabilität macht den Franken zu einem attraktiven Ersatz.
Die Marktreaktion war bereits bei den Währungsparen EUR/CHF und USD/CHF sichtbar. Beide Kurse haben sich angespannt. Der Franken hat seit der Intervention gegen Euro und Dollar um etwa 0,5 bis 0,7 % an Wert gewonnen. Auch wenn der Kurs noch gering ist, signalisiert er eine Neuausrichtung der Risikosichtweise: Die Händler verlagern ihre Finanzmittel von dem Yen auf den Franken, und diese Verschiebung findet ihren Ausdruck in einer breit angelegten Preisgestaltung in Bezug auf Euro und Dollar.
Natürlich sind diese Vorstellungen nicht ohne Risiken. Die SNB ist weiterhin auf die Inflationsentwicklung konzentriert und könnte ihre Nullzinsstrategie aufgeben, sollte sich die Preisentwicklung verschieben. Darüber hinaus haben die japanischen Behörden weitere Interventionen nicht ausgeschlossen, was die Stabilität des Yen-Finanzierungsmodells wieder zunichtemachen könnte. Eine plötzliche Wechselung in einer beliebigen Richtung würde wahrscheinlich zu einem abrupten Ende der noch jungen CHF-basierten Kondor-Trades führen.
Für die Zukunft erwarte ich, dass der Franken in den nächsten Monaten seinen Anleihenattraktivität beibehält, solange die Politik der SNB unverändert bleibt und der Yen seinen ultra-niedrigen Ertrag nicht wieder erlangt. Händler sollten die SNB-Protokolle auf jegliche Hinweise auf eine Änderung der Politik achten und die japanischen Staatsanleiherträge im Auge behalten, um Signale für eine aggressive Haltung zu erkennen. Bis dahin wird der CHF zum stillen Arbeitspferd in den Finanzierungstrategien mit steigender Rendite. Gleichzeitig verändert er die Dynamik des Euro und des Dollars.
Kurz gesagt hat das kurze Comeback des Yen der Frankenkarte eine seltene Gelegenheit gegeben, aus dem Schatten zu treten. Während die Franken niemals eine Zins‑Gehalt‑Währung sein werden, ist ihr Nullzinsumfeld in Kombination mit dem Status eines sicheren Hafens für sie die logischste Wahl für kostenschwangere Anleger, die moderate Renditen jagen wollen in einem Umfeld, in dem Stabilität immer noch wichtiger als reine Rendite ist.












