Kanadas Exporteure bereiten sich auf US-Zölle von bis zu 50 Prozent auf Waren im Wert von C$20 Milliarden vor. An der Toronto Stock Exchange notierte Unternehmen der Sektoren Energie, Banken und Grundstoffe gelten laut Banken und Analysten, die die Massnahmen beobachten, als am stärksten betroffen.
Betreiber von Pipelines, Raffinerien und grenzüberschreitende Schienennetze dürften die Hauptlast der Abgaben tragen, was Lieferketten stören und die Margen grosser TSX-Konzerne unter Druck setzen könnte. Enbridge Inc, das grösste Pipeline-Unternehmen Kanadas, sieht sich mit direkten Risiken durch seine umfangreichen US-Geschäfte konfrontiert und verzeichnete im Geschäftsjahr 2025 einen Umsatz von C$65,19 Milliarden. TC Energy Corporation, das die Keystone-Pipeline betreibt, erzielte im vergangenen Jahr einen Umsatz von C$15,24 Milliarden, und seine Aktie ist im Laufe der letzten zwölf Monate um 27,4 Prozent gestiegen.
Auch Energieproduzenten stehen im Visier. Suncor Energy Inc, das im letzten Geschäftsjahr einen Umsatz von C$48,91 Milliarden generierte, legte im vergangenen Jahr um 72,6 Prozent zu – getrieben von starken Raffineriemargen –, bleibt jedoch stark den Risiken durch US-Zölle ausgesetzt. Canadian Natural Resources Ltd mit C$38,76 Milliarden Umsatz und Cenovus Energy Inc mit C$49,70 Milliarden Umsatz beziehen beide erhebliche Teile ihrer Gewinne aus US-Ölexporten und Raffineriegeschäften. Die Aktie von Cenovus ist im vergangenen Jahr um 98,1 Prozent gestiegen, die von Canadian Natural um 71,0 Prozent.
Der Bankensektor ist ebenfalls verwundbar. Die Royal Bank of Canada, das grösste Kreditinstitut des Landes nach Marktkapitalisierung, verzeichnete im letzten Geschäftsjahr einen Umsatz von C$62,24 Milliarden, und der Aktienkurs ist über 12 Monate um 53,8 Prozent gestiegen. Die Toronto-Dominion Bank, die über eines der top-10-Filialnetze im Einzelbankgeschäft in den USA verfügt und einen Umsatz von C$63,27 Milliarden auswies, legte im selben Zeitraum um 63,0 Prozent zu. Die Bank of Nova Scotia mit C$31,64 Milliarden Umsatz und einer jährlichen Rendite von 58,0 Prozent verfügt über ein kleineres US-Geschäft, bleibt jedoch durch ihre Aktivitäten in den USA und Lateinamerika exponiert.
Metallproduzenten sind nicht verschont. Teck Resources Ltd, Kanadas grösster Stahlhersteller nach Umsatz mit C$10,76 Milliarden im Geschäftsjahr 2025, ist im vergangenen Jahr um 112,3 Prozent gestiegen, bleibt aber ein primäres Ziel für US-Zölle auf Metallimporte. Canadian Pacific Kansas City Ltd, das ein US-kanadisches Schienennetz betreibt und einen Umsatz von C$15,08 Milliarden ausweist, hat über die letzten 12 Monate eine Rendite von 30,0 Prozent erzielt und könnte vor Lieferkettenstörungen stehen.
Die Massnahmen folgen auf eine Periode verstärkter Handelsspannungen, wobei Kanada Vergeltungsmassnahmen gegen die US-Zölle ankündigte. Am 24. August 2026 veröffentlichten die Bank of Montreal und die Bank of Nova Scotia ihre Ergebnisse für das dritte Quartal, wobei die Aktien der letzteren sich nach den Ergebnissen um 4,56 Prozent stiegen. Die US-Ölpreise fielen am selben Tag trotz der Zollankündigung, während die kanadischen Ölexporteure weiterhin von der US-Nachfrage profitierten. Am 20. August 2026 hob TC Energy die erneute US-kanadische Pipeline-Politik hervor und unterstrich damit die breiteren geopolitischen Risiken für den grenzüberschreitenden Handel.












