Eine neue Studie der Schweizer Akademien der Wissenschaften schätzt die Kosten für den Bau eines Kernkraftwerks in der Schweiz auf zwischen 14 und 43 Milliarden Schweizer Franken. Der breite Bereich spiegelt verschiedene Annahmen über die Reaktorgroesse, Baubedingungen und Finanzkosten wider.
Die Forscher basierten ihre Schätzungen auf den aktuellen Kosten für große Reaktoren von etwa 11.500 bis 12.000 Franken pro Kilowatt Leistung. Sie bewerteten zwei Reaktormodelle: Ein 1.250-Megawatt-Block von dem US-Hersteller Westinghouse und ein 1.630-Megawatt-Design von Frankreichs EDF. In einem optimistischen Szenario mit minimalen Verzögerungen wären die Kosten für den Westinghouse-Reaktor 14 Milliarden Franken und für das EDF-Modell 21 Milliarden Franken. Unter einem weniger günstigen Szenario mit typischen Bauverzögerungen könnten die Ausgaben auf 25 Milliarden und 43 Milliarden Franken ansteigen, jeweils.
Die Studie weist darauf hin, dass kürzlich begonnene Kernkraftwerke in Europa und den USA – wie Olkiluoto in Finnland, Flamanville in Frankreich, Hinkley Point in Großbritannien und Vogtle in den USA – konsistent mit Budget- und Zeitplanüberschreitungen vorgegangen sind, oft mit erheblichen Abweichungen. Kostenüberschreitungen in einigen Fällen haben die ursprünglichen Schätzungen verdoppelt oder verdreifacht. Die günstigere Kostenannahme geht von einem idealisierten Projektverlauf aus, mit strömigen Entwürfen, abgeschlossener Planung vor Beginn der Bauarbeiten, stabilen Lieferketten und minimalen Verzögerungen.
Angesichts der Größe der Investition schließt die Studie, dass private Betreiber in der Schweiz ein solches Projekt unabhängig nicht finanzieren werden. Die Finanzrisiken – einschließlich hoher Anfangsinvestitionen, langen Bauzeiten ohne Einnahmen und unsicherer langfristiger Strompreise – sind typischerweise über die Fähigkeit von privaten Akteuren hinausgehend. Internationale Erfahrungen deuten darauf hin, dass staatliche Beteiligung erforderlich ist, um diese Risiken zu mildern.
Die Studie hebt auch einen inländischen Faktor hervor: Potenzielle Betreiber wie Axpo und BKW sind teilweise oder vollständig in Schweizer Kantone eingebunden, was bedeutet, dass öffentliche Behörden unabhängig von der Eigentümerstruktur finanzielle Exposition teilen. Für ein neues Kraftwerk, das bis zum frühen 2050er-Jahr in Betrieb gehen soll, müssten die Ausschreibungen bereits bis zum frühen 2030er-Jahr beginnen, vorausgesetzt, dass eine politische Entscheidung getroffen wird, die derzeitige Bauverbot aufzuheben.
Die Schweizer Parlament hat bereits abgestimmt, das Bauverbot aufzuheben, aber Gegner haben eine Volksabstimmung lanciert. Die Wähler werden spätestens im Februar 2027 darüber abstimmen. Wenn die Abstimmung zugunsten der Aufhebung des Bauverbots ausfällt, würde der Ausschreibungsprozess wahrscheinlich auf große, dritte-Generation-Druckwasserreaktoren von EDF/Framatome aus Frankreich oder Westinghouse aus den USA fokussieren. Geopolitische Einschränkungen ausschließen chinesische und russische Anbieter, während der südkoreanische Betreiber KEPCO/KHNP rechtliche Hürden zur unabhängigen Verkaufsförderung in Europa hat.
Kleine modulare Reaktoren (SMRs) gelten derzeit nicht als wirtschaftlich tragfähige Alternative, da ausserhalb Chinas und Russlands keine ausreichenden realen Kosten- und Zeitschätzungen vorliegen. Die jüngsten, hochprofilierten Absagen, wie das US-Projekt von NuScale, unterstreichen die frühe Entwicklungsstufe und die wirtschaftliche Unsicherheit für die kurzfristige Umsetzung in der Schweiz.













