Die Bewertungen am US-Aktienmarkt geraten zunehmend unter Druck, nachdem die Rendite der 10-jährigen US-Treasuries am späten Dienstag die Marke von 4.79% überschritten hat. Seit März hat sich der Anstieg um über 80 Basispunkte fortgesetzt und damit wichtige Puffer für Aktien aufgezehrt.
Der S&P 500, der am 13. August ein Rekordhoch erreichte, notierte am Dienstag rund 2% unter diesem Höchststand. Das Forward-Kurs-Gewinn-Verhältnis sank am Montag auf 19.7 von 22.2 zu Jahresbeginn 2026 – bleibt damit zwar über dem langfristigen Durchschnitt von 16, doch der Renditeanstieg hat zeitgleich einen Rückgang des Index um 2% seit Mitte August ausgelöst. Dies weckt erneut Zweifel an der Nachhaltigkeit der jüngsten Kursgewinne.
Analysten führen den Renditeanstieg auf mehrere Faktoren zurück: hartnäckige Inflation, hohe staatliche Neuverschuldung und eine stärkere Nachfrage nach privaten Investitionen. Auch die Ölpreise stiegen nach der erneuten Zuspitzung der Spannungen zwischen den USA und dem Iran, während die Märkte nach Aussagen des neuen Fed-Präsidenten Kevin Warsh höhere Wahrscheinlichkeiten für nahe Zinserhöhungen einpreisen.
Der Fokus verschiebt sich damit von den Unternehmensgewinnen hin zu makroökonomischen Faktoren, sobald die aktuelle Berichtssaison abgeschlossen ist. Zwar haben starke Quartalszahlen und robustes Gewinnwachstum die Abwärtsrisiken bisher gemildert, doch Strategen warnen, dass der schwindende Gewinnpuffer Aktien anfälliger für Schwankungen am Anleihemarkt macht. Keith Lerner, Chief Investment Officer bei Truist Advisory Services, betonte: «Der Markt richtet sein Augenmerk nun stärker auf diese makroökonomischen Faktoren, da der Puffer aus der Berichtssaison kleiner wird.»
Höhere Renditen erhöhen den Diskontierungssatz für künftige Unternehmensgewinne und belasten damit die Bewertungen am Aktienmarkt. Mitch Schlesinger, Chief Investment Strategist bei Evermay Wealth Management, erklärte, dass eine Rendite von über 5% «historisch betrachtet starkes Interesse an Anleihen ausgelöst» habe. Gleichzeitig fügte er hinzu: «Unternehmen, die auf Finanzierung angewiesen sind, werden ab diesem Niveau spürbare Belastungen spüren. Wir nähern uns wahrscheinlich dem Punkt, an dem der Aktienmarkt zunehmend besorgt reagiert.»
Noah Weisberger, Leiter Aktien bei BCA Research, verwies auf «erhebliche Duration-Risiken in denjenigen Teilen des Aktienmarkts, die bisher gut performt haben» und warnte: «Jede Störung am Anleihemarkt kann die Bewertungen empfindlich treffen.» Angelo Kourkafas, Senior Global Investment Strategist bei Edward Jones, ergänzte: «Höhere Renditen können die Ausweitung der Kurs-Gewinn-Verhältnisse begrenzen», während Matt Stucky, Chief Portfolio Manager bei Northwestern Mutual Wealth Management, mahnte: «Ein starker Renditeanstieg kann die Forward-Multiplikatoren am Markt empfindlich treffen.»













