Der Euro legte am Mittwoch gegenüber dem Dollar zu, da die wachsenden Erwartungen an weitere Straffungsschritte der Europäischen Zentralbank (EZB) die gesunkenen Chancen auf eine weitere Zinserhöhung der US-Notenbank Fed mehr als ausglichen.
Das Währungspaar EUR/USD stieg um 0,3 % auf 1,0850 und baute damit seine Gewinne aus. Die US-Arbeitsmarktdaten für Mai fielen schwächer als erwartet aus und verstärkten die Bedenken hinsichtlich des US-Arbeitsmarkts. Der ADP-Bericht zur Beschäftigung im Privatsektor zeigte, dass im vergangenen Monat 152.000 neue Stellen geschaffen wurden – deutlich weniger als die von Reuters befragten Ökonomen erwarteten 175.000 Jobs.
Die schwächeren US-Arbeitsmarktzahlen verringerten die Markterwartungen für eine Fed-Zinserhöhung bei der Sitzung vom 12. bis 13. Juni. Laut dem FedWatch-Tool von CME Group wird die Wahrscheinlichkeit für einen Zinsschritt um 25 Basispunkte nun mit rund 20 % eingestuft – vor einer Woche lag sie noch bei etwa 30 %. Der Dollar-Index, der den US-Dollar gegenüber sechs wichtigen Währungen misst, gab um 0,2 % auf 104,10 nach.
Im Gegensatz dazu stützte die hawkische Haltung der EZB den Euro weiter. EZB-Präsidentin Christine Lagarde betonte vergangene Woche erneut, dass die Inflation nach wie vor zu hoch sei und die Leitzinsen möglicherweise länger auf hohem Niveau bleiben müssten. Die Terminmärkte rechnen derzeit mit rund 50 Basispunkten an EZB-Zinserhöhungen bis Jahresende, wobei die erste Anhebung bereits im Juli erwartet wird.
Analysten von ING sehen in der divergierenden Geldpolitik von Fed und EZB den Haupttreiber für die Entwicklung des EUR/USD-Paares. «Der Markt setzt zunehmend darauf, dass die EZB ihren straffen Kurs beibehält, während der Weg der Fed ungewisser erscheint», schreiben sie in einer Analyse.
Unterstützt wurde der Euro zudem durch steigende Renditen deutscher Bundesanleihen, die auf das höchste Niveau seit Anfang März kletterten. Dies spiegelt das wachsende Vertrauen in die EZB-Bemühungen wider, die Inflation zu bekämpfen.
In den kommenden Tagen werden die Anleger die US-Wochenarbeitslosenzahlen am Donnerstag sowie die US-Verbraucherpreisdaten am Freitag genau beobachten. Diese Daten könnten weitere Hinweise auf die Stärke des Arbeitsmarkts liefern und die Erwartungen an die Fed-Politik beeinflussen.



