Der Euro ist gegenüber der britischen Pound gestärkt, da die unterschiedlichen Inflationsstrukturen im Vereinigten Königreich und in der Eurozone die Erwartungen an eine relativen festere EZB-Politik verstärken.
Die Inflationsrate in Großbritannien erhöhte sich im Juli von 2,6% auf 2,9%, was aber in erster Linie auf die höheren Energiekosten der Haushalte infolge einer Änderungen der Preiskapazität der Ofgem zurückzuführen ist. Die Kerninflation blieb stabil bei 2,6%, während die Inflationsrate für Dienstleistungen von 3,6% auf 3,4% sinkte, was darauf hindeutet, dass die Preissteigerungsdrucke im Inland weiterhin im Grenzen bleiben. Dies gibt der Bank of England die Möglichkeit, den Energie-Schock zu verarbeiten, ohne die Geldpolitik weiter zu straffen.
Wesentlich zurückhaltender war dagegen die Inflation im Euroraum, die sich auf 2,9 % hielt, aber weniger ermutigende Umtrends zeigte. Die Energie bleibt ein entscheidender Faktor, doch stieg die Inflation im Dienstleistungssektor an, und die Kerninflation hat sich weniger verbessert als in Großbritannien, was auf anhaltendere Preisdrücke hinweist. Die Abweichung bedeutet, dass die EZB voraussichtlich schärferen Politikdruck gegenüber der BoE ausgesetzt sein könnte.
Die Verschiebung in den relativen Konjunkturerwartungen ist bereits an den Anleihemärkten zu beobachten. Der Spread zwischen den zwei-jährigen Renditen von Deutschland und Großbritannien ist von rund -1,85 % auf -1,52 % zurückgegangen, wobei die Renditen in Deutschland schneller ansteigen als die Renditen in Großbritannien. Die Laufzeit von zwei Jahren ist besonders empfindlich für die Erwartungen zu den Geldpolitik der EZB versus der BOE, was darauf hinweist, dass die Märkte im Allgemeinen die Euro-Währung favorisieren.
Damit die bullische Tendenz des EUR/GBP-Paars anhält, müssen die kommenden Daten die Inflationslücke verstärken. Eine stabilere Prognose für die Inflation in der Eurozone, robuste Konjunkturdaten und durchsetzte Erwartungen der EZB zur Geldpolitik würden die Entwicklung verstärken. Wenn dagegen die Inflation im britischen Dienstleistungssektor weiter abkühlt, die Lohnsteigerungen zurückgehen oder die Konjunkturdaten schlechter ausfallen, könnte die britische Währung Unterstützung erhalten.
Die technische Aufstellung entspricht der makroökonomischen Hintergründe. EUR/GBP konsolidiert innerhalb einer Bull-Flag nach einem Rückschlag von den Juli-Tiefen, wobei die Momentum-Indikatoren weiterhin konstruktiv sind. Ein Durchbruch über die obere Grenze der Flagge könnte auf die Widerstandszone 0,8660 abzielen, die auf vorherigen Widerstandsniveaus basiert und das nächste sinnvolle Aufwärtsziel darstellt.
Die Analyse legt nahe, dass die heutigen Inflationsdaten keine direkte Erzählung über die Schwäche der UK im Vergleich zur Stärke der Eurozone lieferten, sondern eher eine nuancierte Abweichung, die den aktuellen Aufwärtstrend von EUR/GBP unterstützt, solange der relative Zinsvorteil für das Euro persistent bleibt.












