Die Ernennung des italienischen Bankers Carlo Messina zum neuen Commerzbank-Chef hat die Debatte über die geplanten Kostensenkungen des Instituts weiter angeheizt. Analysten zufolge drohen diese Massnahmen die Unternehmenskultur und die Bindung der Mitarbeitenden zu untergraben.
Messina, derzeit CEO von Intesa Sanpaolo, soll die gewinngetriebene Wende bei der Commerzbank beschleunigen. Sein Vorgänger Manfred Knof hatte ein Kostensenkungsprogramm von 1 Milliarde Euro initiiert, um die Profitabilität bis 2026 zu steigern. Der Fokus auf Filialschliessungen, Stellenabbau und Digitalisierung stösst jedoch auf Kritik, da er mit dem traditionellen, beziehungsorientierten Geschäftsmodell der Commerzbank kollidieren könnte.
Branchenbeobachter weisen darauf hin, dass zwar aggressive Kostensenkungen kurzfristig die Erträge erhöhen können, langfristig aber die Moral der Mitarbeitenden und die Kundenbindung gefährden. Die Commerzbank beschäftigt weltweit rund 48.000 Mitarbeitende, mit einem starken Fokus auf die Finanzierung des deutschen Mittelstands. Das Institut unterscheidet sich durch seine langjährigen Kundenbeziehungen und das dichte Filialnetz von grösseren, transaktionsorientierten Wettbewerbern.
Analysten von Jefferies und Berenberg warnen vor einem «Kulturkonflikt» und betonen, dass die rasche Umsetzung der Restrukturierung die interne Stabilität gefährden könnte. «Kostensenkungen sind notwendig, aber die Umsetzung muss Effizienz und Kulturerhalt in Einklang bringen», erklärte ein Analyst von Jefferies. Der Bericht von Berenberg unterstreicht zudem, dass der Markenwert der Commerzbank – über Jahrzehnte aufgebaut – leiden könnte, falls die Veränderungen als zu disruptiv wahrgenommen werden.
Die Commerzbank-Führung verteidigt die Strategie und argumentiert, dass die Digitalisierung und Filialkonsolidierung essenziell seien, um mit Fintechs und grösseren europäischen Banken mithalten zu können. 2023 erzielte das Institut einen Nettogewinn von 1,2 Milliarden Euro, was einem Anstieg von 25% gegenüber dem Vorjahr entspricht. Allerdings liegt die Cost-Income-Ratio mit über 70% noch über dem Niveau von Wettbewerbern wie der Deutschen Bank oder UniCredit.
Der Erfolg von Messinas Amtszeit könnte davon abhängen, ob es ihm gelingt, die Profitabilitätsziele mit dem Erhalt der institutionellen Identität der Commerzbank in Einklang zu bringen.



