Die Schweizer Währung zeigt Anzeichen, dass ihre Schwächephase möglicherweise ihren Höhepunkt überschritten hat. Experten von Deutschen Bank und Goldman Sachs betonen, dass der Euro-Franken-Kurs (EUR/CHF) nun wieder ein Aufwärtspotenzial aufweisen könnte, da der Franken als „sicherer Hafen“ in Risikoabwägungen stärker nachgefragt wird. Vor dem Hintergrund einer restriktiveren globalen Geldpolitik und gestiegener Inflationsrisiken in der Schweiz könnte dies die Attraktivität des Frankens gegenüber dem Euro weiter stärken.
Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hat in den letzten Monaten ihre Zinsen stabil bei null Prozent gehalten, während andere Zentralbanken – etwa in den USA, der Eurozone oder Japan – die Leitzinsen erhöht haben. Dies führte zu einem erhöhten Refinanzierungsbedarf für den Franken, was zu einer Abwertung gegenüber dem Euro beitrug. Allerdings könnte sich diese Dynamik nun umkehren. Beide Banken, Deutsche Bank und Goldman Sachs, argumentieren, dass die SNB nun aktivere Marktinterventionen in Betracht zieht, um eine übermäßige Aufwertung des Frankens zu verhindern.
Deutsche Bank-Währungsstratege George Saravelos deutet in einem Strategiepapier darauf hin, dass der Euro-Franken-Kurs bereits der Entwicklung der kurzfristigen Zinsdifferenzen gefolgt ist. Seit der SNB Anfang 2024 eine erhöhte Bereitschaft signalisierte, den Franken durch Interventionen zu stabilisieren, hat sich der Kurs bereits um über 4 % real gegenüber dem Euro abgewertet – und liegt sogar unter seinem zehnjährigen Durchschnitt. Zudem signalisierte SNB-Präsident Martin Schlegel jüngst eine erhöhte Interventionsbereitschaft, was als Vorbereitung auf eine mögliche geldpolitische Straffung interpretiert wird. Allerdings zeigen Marktpositionierungsdaten weiterhin Netto-Short-Positionen im Franken, was auf eine kurzfristige Wende hindeutet.
Goldman Sachs’ Ökonomen betonen, dass die SNB trotz gestiegener Inflationsdrucks in der Schweiz – der zwar geringer ausfiel als in anderen Ländern, aber weiterhin beobachtet wird – vorerst an ihrer aktuellen Haltung festhalten wird. Allerdings gibt es erste Hinweise darauf, dass die SNB stärker auf Inflationsrisiken fokussiert und weniger geneigt ist, den Franken aktiv abzuwerten. Gleichzeitig zeigt die SNB in jüngster Zeit verstärkt Interesse an einem realen Wechselkurs, was bei erneuten Energiepreisschocks oder einer weiter anhaltenden Inflationsdifferenz zwischen der Schweiz und dem Euroraum zu weiteren geldpolitischen Maßnahmen führen könnte.
Trotz dieser Unsicherheiten sehen beide Banken ein Potenzial für eine kurzfristige Aufwertung des Frankens, insbesondere im vierten Quartal, als saisonale Faktoren eine Kurskorrektung begünstigen könnten. Goldman Sachs prognostiziert für das kommende Jahr einen Euro-Franken-Kurs von 0,9160 CHF, während der US-Dollar bei 0,79 CHF erwartet wird. Die Experten betonen jedoch, dass eine rasche oder kurzfristige Aufwertung unwahrscheinlich bleibt, da der Franken weiterhin als attraktive Finanzierungswährung gilt und die SNB Spielraum für Interventionen sieht, falls Shortpositionen aufgelöst werden müssen.
Die jüngsten Entwicklungen deuten darauf hin, dass der Franken seine Schwächephase möglicherweise hinter sich gelassen hat. Während die SNB ihre geldpolitische Haltung prüft, könnten sowohl Marktstimmungen als auch strukturelle Faktoren – wie die Zinsdifferenz und die Inflationsdynamik – die Richtung des Wechselkurses in den kommenden Monaten beeinflussen.












