Island wird am 29. August ein Referendum über die Wiederaufnahme der Verhandlungen über die Mitgliedschaft in der Europäischen Union abhalten, eine Abstimmung, die die Erweiterungsstrategie des Blocks umgestalten und den Weg für einen möglichen Beitritt Montenegros im Jahr 2028 erleichtern könnte.
EU-Diplomaten vermuten, dass ein positiver Ausgang im Referendum – wo derzeit 46% der Iren für eine Wiederaufnahme der Gespräche sind und 46% dagegen, wobei 8% noch nicht entschieden sind – den als attraktiv erkannten Status der EU beweisen und den Skeptizismus gegenüber einer weiteren Erweiterung überwinden könnte. Montenegro, das mit einer Bevölkerung von etwa 620.000 Einwohnern und einem pro Kopf zu vergleichenden wirtschaftlichen Output hinter Island liegt, strebt seit langem die Mitgliedschaft in der EU an, ebenso wie Albanien, die Ukraine und die Republik Moldau.
Analysten unterstreiken, dass die Eingliederung Islands in Verbindung mit der von Montenegros in Angriff genommenen Eingliederung verbessern würde. Steven Blockmans vom International Centre for Defence and Security in Tallinn vermutet, dass die gemeinsame Vorgehensweise für beide Länder zu mehr Erfolg führen würde als der Versuch, Montenegros Bewerbung separat voranzutreiben.
Iceland hat 2013 unter einer euroskeptischen Regierung die Beitrittsverhandlungen zur EU zunächst ausgesetzt, wobei die Streitfragen um Fischereirechte – insbesondere den Zugang zu den für die Wirtschaft von Island so wichtigen Fischgründen – ein wesentlicher Bärgesatz blieben. Doch geopolitische Veränderungen, darunter die Invasion Russlands in die Ukraine und das Vorschlag des früheren US-Präsidenten Donald Trump, Grönland annektieren zu wollen, haben Island dazu bewogen, seine strategische Position neu zu überdenken. Befürworter argumentieren, dass eine Mitgliedschaft in der EU dazu beitragen könnte, die hohen Lebenshaltungskosten zu senken und die Verhandlungsmacht Islands im externen Handel zu stärken.
Auch wenn die Gespräche zugelassen werden, erfordert eine mögliche Beitrittserklärung ein separates Referendum, da die Einstellung der Bevölkerung noch gespalten ist. Die EU-Kommissarin Marta Kos schätzt die Verhandlungstage auf ein bis zwei Jahre und äußert den Glauben, eine Einigung über die Fischereirechte zu finden. "Ich bin sicher, dass wir mit den EU-Mitgliedstaaten gemeinsam kreative Lösungen finden können, die die Empfindlichkeiten Irslands und unserer Mitgliedstaaten gleichermaßen berücksichtigen", erklärte sie.
Das Ergebnis des Referendums kann einen Präzedenzfall für andere Kandidatenländer darstellen, insbesondere weil die EU in den kommenden Jahren zahlreiche Erweiterungsentscheidungen treffen wird.












